SSV Reutlingen 1905 Fußball Archiv bis September 2017

SSV zeigt Moral

Beim 4:2-Heimsieg (1:1) gegen die zweite Mannschaft des SV Sandhausen zeigte die Class-Elf wieder zwei Gesichter – nach schwachem Beginn sicherte eine gute zweite Hälfte wichtige drei Punkte. Das Verletzungspech bleibt dem Kreuzeicheklub derweil treu.

Erleichtert wirkte Jochen Class in der an das Spiel anschließenden Pressekonferenz. Die Nachricht sei angekommen, glaube er. Seine Spieler hätten in der Sitzung am Freitag den Willen gezeigt, dem Erfolg des Kollektivs alles andere unterzuordnen. Der zugegeben glückliche Heimsieg sei der erste Schritt auf einem Weg gewesen. Zu Beginn dürfte der Trainer des SSV Reutlingen jedoch wenig begeistert vom Gezeigten gewesen sein.

 

 

Vereinzelten Chancen durch Mayer und Schachtschneider stand nach 20 Minuten der Führungstreffer der Gäste aus Sandhausen gegenüber. Dieser war die Folge der anfänglichen Feldüberlegenheit der Gäste. Passspiel und Technik waren denen der Hausherren sichtbar überlegen, was in eine verdiente Gästeführung mündete. Keine Probleme hatte deshalb Marius Schilling, als er nach einem Flachpass von der rechten Seite nur einschieben musste und Keeper Knauß überwinden konnte. Nur zwei Minuten später bereits der nächste Rückschlag für den SSV, als Dennis Lübke verletzt ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Kuengienda ins Spiel. Kurz vor der 30-Minuten-Marke meldete sich die Claas-Elf wieder zurück im Spiel: Im Anschluss an eine Ecke bekam Golinski gleich zweimal die Chance auszugleichen. Während sein erster Versuch geblockt wurde, versenkte er den zweiten sehenswert im langen Eck des gegnerischen Tors. Beim 20-Meter-Distanzschuss des Reutlingers von halblinks war Gästekeeper Hiegl chancenlos gewesen. Das glückliche Unentschieden entsprach erst gegen Ende der Ersten Halbzeit den realen Kräfteverhältnissen, als die Kicker von der Kreuzeiche endlich selbst Nadelstiche setzen konnten. In der 38.Minute hätte Golinski den SSV in Führung bringen können, als er sich frei im Strafraum der Gäste wiederfand. Lediglich ein Pfostentreffer war die magere Ausbeute, geschuldet einem zu weit vorgelegten Ball. Zur Halbzeit schien ein Punkt realistisch, waren nahezu alle Statistiken ausgeglichen – auch bezüglich der Aluminiumtreffer. Geisler hatte für die Gäste in der 15.Minute den Außenpfosten des Reutlinger Gehäuses getroffen.

 

 

Der Beginn der zweiten Halbzeit unterschied sich wenig vom bisher Gezeigten – der SV Sandhausen II überzeugte durch die bessere Spielkultur, während der SSV Reutlingen sich in das Spiel hineinarbeitete. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff hätten die Gäste durch Geisler in Führung gehen können, dem stand jedoch Knauß im Weg. Den Nachschuss setzte Mohr auf die Latte, von welcher er ins Toraus trudelte. Im Gegenzug konnten weder Kapitän Mayer, noch Eiberger für den SSV treffen. Zuerst war Mayer gut von Schachtschneider eingesetzt worden, hatte aber knapp verzogen. Eibergers Drehschuss nach einem Abwehrfehler der Sandhäuser war zu harmlos geblieben. In der Zwischenzeit hatte sich auch Schiffel verletzt, der in der 60.Minute ausgewechselt wurde. Ihn ersetzte Lars Lack. In Minute 66 wurde die Verletztenmisere in der Abwehr aufs Neue deutlich: Auf einen verunglückten Klärungsversuch in Form einer Kerze folgte eine verschlafene Reaktion, die es dem mittlerweile eingewechselten Gästeangreifer Sterzing ermöglichte, den Führungstreffer zu erzielen. Schwer getroffen schlingerte die Abwehr des SSV bereits ins nächste Unglück, als eine Minute später der Schiedsrichter das vermeintliche 1:3 der Gäste aufgrund einer Abseitsstellung zurücknahm. Von diesem Wirkungstreffer hätte sich die Elf von Jochen Class wohl nicht mehr erholt. Aus der vermeintlichen Entscheidung wurde allerdings ein Weckruf, den die gesamte Mannschaft des SSV wahrnahm. Postwendend attackierte sie die Gäste aus Sandhausen und erzwang in einem nun offenen Spiel das 2:2-Ausgleichstor durch Eiberger. Sein satter Schuss ins linke Eck ließ dem Gästekeeper Hiegl keine Chance. An den Treffer anschließend wurde Seemann für Rohr eingewechselt. Eine Viertelstunde vor Schluss hätten Schachtschneider und Golinski den erlösenden Führungstreffer für die mittlerweile überlegenen Hausherren erzielen müssen.

 

 

Sie scheiterten jedoch am Torhüter der Sandhäuser, respektive einem Abwehrspieler, der den Nachschuss aus drei Metern in höchster Not abblocken konnte. Der Druck des SSV war nun so groß, dass in der 80.Minute das 3:2 durch Daniel Schachtschneider die logische Konsequenz war. Mit der Pike versenkte er den Ball im Kasten. Fünf Minuten vor dem Ende verließ der sehr aktive Yahkem den Platz für Serour. In der 86.Minute hatten Anhänger und Spieler des SSV Reutlingen nochmals eine Schrecksekunde zu überstehen, als Geisler zum zweiten Mal an diesem Nachmittag das Aluminium traf. Sein Freistoß kurz vor dem Reutlinger Sechzehnmeter-Raum traf die Querlatte. Die Offensivabteilung stellte im direkten Gegenzug noch klarere Verhältnisse her und erzielte mit einer gelungenen Zusammenarbeit den verdienten 4:2-Schlusspunkt. Seemann hatte den Ball nach Vorarbeit von Golinski und Schachtschneider über die Linie gewuchtet. 757 Zuschauer feierten den entscheidenden Treffer und den Sieg lautstark.

 

 

Der SSV Reutlingen hatte sich den Sieg mittlerweile verdient, wenn dieser auch etwas glücklich war. Von der angestrebten Entwicklung des Kaders sind bereits erste Ansätze zu erkennen. Trotz allem macht die angespannte Personalsituation dem Klub zu schaffen, zu deren Linderung er den Abwehrspieler Timo Bäuerle verpflichtet hat. Dieser wird wahrscheinlich sein Debüt beim kommenden Auswärtsspiel gegen Astoria Walldorf II feiern. „Wir spielen im Moment mit 8 Stürmern“ stellte Class in der Pressekonferenz fest.

 

 

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