SSV Reutlingen 1905 Fußball Archiv bis September 2017

Seemann setzt die Akzente

Zwei Tore, zwei Gelb-Rote Karten, zwölf Mal Gelb, ein verschossener Strafstoß, viele Emotionen, hohes Tempo – die 1 050 Zuschauer erlebten ein hochinteressantes Fußball-Oberligaspiel zwischen dem 1. Göppinger SV und dem SSV Reutlingen. 1:1 (1:1) stand es nach 90 Minuten. Ein 1:1, über das Reutlingens Trainer Jochen Class urteilte: »Eigentlich kann keine Mannschaft mit diesem Resultat zufrieden sein.« Der SSV ist nun seit fünf Begegnungen ungeschlagen, hat aber zuletzt drei Mal in Folge Remis gespielt. »Mit lauter Unentschieden kommen wir nicht weiter«, meinte Angreifer Daniel Schachtschneider.

Der Reutlinger Daniel Seemann setzte in dieser Partie die Akzente. Seemann, in die Startelf zurückgekehrt, war extrem agil und zunächst an allen gefährlichen Aktionen beteiligt. In der achten Minute klärte Göppingens Keeper Kevin Rombach nach einem 18-Meter-Schuss von Seemann zur Ecke. Wenig später zischte ein Schuss des Ex-Nehreners knapp am Gehäuse vorbei. Schließlich brachte Seemann seine Farben in der 30. Minute in Führung. Und zwar nach einer Ecke von Andreas Mayer per Kopfball, normalerweise nicht die Spezialität von Seemann.

 

Zwei Minuten nach dem Tor wurde Seemann nach einem Foul mit der Gelben Karte bedacht, weitere zwei Zeigerumdrehungen später sah er wegen Ballwegschlagens Gelb-Rot. Ballwegschlagen wird nun einmal mit der Gelben Karte bestraft. Das muss Seemann, der im Übermut der Gefühle öfter solche Aktionen hat, wissen. Allerdings hätte Schiedsrichter Marvin Maier (Windschläg) statt der ersten Karte eine ernsthafte Ermahnung aussprechen können. Im Laufe der Partie rückte der Unparteiische immer mehr in den Mittelpunkt. Er zückte bei jeder härteren Aktion den Gelben Karton. Die Fans beider Mannschaften quittierten das mit viel Gelächter. Und das ist kein gutes Zeichen für den Schiedsrichter.


Die Zunft muss sich auf jeden Fall fragen lassen, weshalb Jahr für Jahr erfahrene Unparteiische in der Oberliga jungen Kollegen Platz machen müssen. Und zwar nicht aus Leistungsgründen, sondern weil jungen Leuten möglichst schnell der Weg nach oben geebnet werden soll. Dem baden-württembergischen Oberhaus würde es gut tun, wenn öfter ein Routinier zur Pfeife greifen würde, der sich nicht mehr nach oben dienen muss und will.


»Ohne den Feldverweis hätten wir gewonnen«, sagte SSV-Verteidiger Denis Lübke. Fakt ist, dass die Reutlinger bis zu diesem Zeitpunkt das Zepter in der Hand hielten. Nach dem Göppinger Ausgleichstreffer durch Kevin Dicklhuber in der 45. Minute hätte Dicklhuber in der 59. Minute erneut treffen können. Er setzte jedoch einen Foulelfmeter – Andreas Mayer hatte Michael Renner (er sah in der 76. Minute Gelb-Rot) zu Fall gebracht – neben das Tor. Davor und danach vergab der SSV, der am Ende deutlich mehr Kraftreserven hatte, einige gute Möglichkeiten. Marc Golinski (56. Minute) schoss nach einer Flanke von Tom Schiffel freistehend fünf Meter vor dem Gehäuse vorbei. Der mit einer feinen Schusstechnik ausgestattete Golinski agierte bei weiteren Chancen im Abschluss zu unkonzentriert. In der 90. Minute schließlich hatte Onesi Kuengienda nach einem starken Solo von Maximilian Rohr mit einem Pfostenschuss Pech. »Wir haben leider vergessen, uns zu belohnen«, stöhnte Class. »Gegenüber den Unentschieden in Walldorf und gegen Offenburg war das allerdings eine klare Leistungssteigerung.«