SSV Reutlingen 1905 Fußball Archiv bis September 2017

Kampfgeist wird belohnt

In einer aufregenden Oberligapartie, die 4:4 (2:2) endet, kommt der SSV Reutlingen immer wieder zurück und hält den Abstand auf den Verfolger Offenburger FV konstant.

Ein Spiel aufregend wie ein Herbststurm: Den ersten Oktober werden die 764 Zuschauer im Reutlinger Kreuzeichestadion so schnell nicht vergessen. In einem Wechselbad der Gefühle schafft es der SSV dreimal, einen Rückstand zu egalisieren. Nach einem durchaus ansehnlichen Beginn folgte in der sechsten Minute eine kalte Dusche: Nach einem kapitalen Fehler von SSV-Schlussmann Knauß hatten die Gäste aus Baden mit ihrer ersten Chance die Führung erzielt. Der Keeper des SSV hatte sich bei einem relativ ungefährlichen Kopfball des Offenburger Kapitäns Marco Petereit derart verschätzt, dass dieser einfach über ihn hinweg ins Tor gesprungen war. Von dem wenig druckvollen Kopfball am Rande des Strafraums wäre ohne Knauß‘ Herauslaufen wohl nur wenig Gefahr ausgegangen.

 

Von diesem denkbar schlechten Gegentreffer ließ sich die Class-Elf aber nicht entmutigen und folgte dem taktischen Konzept nach wie vor. In Minute 13 sollte sich der Zusammenhalt auszahlen:

Nach einer ansehnlichen Kombination verwandelte Kapitän Andreas Mayer sehenswert von der Strafraumkante zum umjubelten Ausgleich. Der satte Schuss in das rechte Eck vom Schützen aus war unhaltbar gewesen. Das zwischenzeitliche Ergebnis spiegelte die Kräfteverhältnisse absolut angemessen wider. Nur vier Minuten später konnten die Kicker von der Kreuzeiche erneut zuschlagen, als Eric Yahkem nach schöner Flanke von Maximilian Rohr in den Kasten des Gegners einnickte. Dem Kopfballtreffer in der 17.Minute war ein vergleichbarer Fehler wie auf Seite des SSV vorausgegangen. Innerhalb von nur elf Minuten hatte die Claas-Elf das zu jeder Zeit offene Spiel gedreht – vorerst jedenfalls.

 

Nach 20 Minuten stockte vielen Reutlingern wieder der Atem, als es Offenburg erneut gelang, die Abwehr des SSV auszuhebeln und drei Spieler der Gäste allein auf Keeper Knauß zuliefen. Der Offenburger Offensivakteur Chrobok erwies sich jedoch als zu egoistisch und blieb am Reutlinger Schlussmann hängen, der damit seinen Fehler vom Beginn wieder ausgebügelt hatte.

Im weitere Spielverlauf zeigten beide Mannschaften ihr Potential im Sturmbereich und stellten die gegnerische Abwehr mehrmals auf die Probe, versäumten es aber, den nächsten Treffer zu erzielen.

So auch Lukas Hartmann in der 40.Minute, als sein Kopfball nach einer Ecke nur die Querlatte des Gästetores traf. Ein mögliches 3:1 hätte dem Spiel unter Umständen eine gänzlich andere Richtung gegeben. Die stets gefährlichen Gäste aus der Rheinebene nutzten diese Chance und glichen in der 43.Minute zum 2:2 aus. Vorausgegangen war ein zügig gespielter Angriff, bei dem die Abwehr des SSV nicht nah genug an den gegnerischen Angreifern stand. Adrian Vollmer schloss mit einem gefühlvollen Schuss, ebenfalls vom Rande des Strafraums, ab. Mit einem dem Spielverlauf entsprechenden Ergebnis verabschiedete Referee Hildebrand die beiden Teams in die Kabine.

 

War bereits die erste Hälfte des Spiels aufregend gewesen, so stand den Mannschaften und ihren Anhängern nun der aufregendste Teil der Oberligapartie bevor. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff gelang es den Gästen, das Spiel ihrerseits zu drehen. Eine erneut passive SSV-Abwehr ließ den Gäste-Kapitän Petereit erneut gewähren, der sich mit einem weiteren Distanzschuss nicht bitten ließ. Das zwischenzeitliche 2:3 war dabei allerdings nur der Auftakt zu weiteren Treffern beider Teams. Auch nach dem erneuten Rückstand ließ der SSV nicht nach und belohnte sich nach nur weiteren zwei Minuten mit dem Ausgleich zum 3:3. Nach einem Freistoß von Kapitän Mayer traf Hartmann mit einem schönen Kopfball. Aber der Wahnsinn sollte weitergehen:

Direkt nach dem Anstoß gelang es den Gästen, die Abwehr der Class-Elf zu übertölpeln und im direkten Gegenzug durch Vollmer den bisherigen Vorsprung wiederherzustellen. Drei Tore innerhalb von 4 Minuten beanspruchten zwischenzeitlich nicht nur die Nerven der Zuschauer, sondern auch die der Trainer wie Class nach dem Spiel zugeben musste.

Mittlerweile hatten sich erste Pfiffe unter die Unterstützung des Kreuzeiche-Klubs gemischt und die Stimmung drohte zu kippen, wie auch das Spiel selbst. Doch die Mannschaft hatte den Kampf angenommen und spielte weiter unbeirrt nach vorne. Ein tolles Solo von Kapitän Mayer, der das Auge hatte, krönte Golinski mit dem verdienten 4:4-Ausgleich.

 

Der Treffer in der 58.Minute sollte der letzte Wirkungstreffer in diesem turbulenten Schlagabtausch bleiben, doch beide Kontrahenten verfolgten in der verbliebenen Spielzeit das Ziel, als Sieger vom Platz zu gehen. Gegen Ende schien der SSV Reutlingen etwas mehr die Oberhand zu gewinnen, allerdings gelangen keine zwingenden Aktionen mehr. Einem doppelten Aluminiumtreffer in der 78.Minute war eine Abseitsstellung der Hausherren vorausgegangen und auch Yahkem konnte in der 83.Minute den Siegtreffer nicht markieren. Er hatte den Ball zwei Meter vor dem Gehäuse der Gäste nicht kontrollieren können und die Entscheidung verpasst.

 

In der anschließenden Pressekonferenz lobten beide Trainer die Moral und den Einsatz ihrer Mannschaften und zeigten sich mit dem Punktgewinn zufrieden. Ungetrübt war die Stimmung dennoch nicht, denn vier Treffer zu erzielen und dennoch nicht zu gewinnen ist nicht der Anspruch beider Mannschaften. SSV-Trainer Jochen Class stellte fest, dass beide Hintermannschaften zu viele Fehler gemacht hätten, betonte allerdings den großen Kampfgeist und die Willensstärke seiner Spieler, die dreimal einen Rückstand egalisiert hatten. „Wir möchten das Positive mitnehmen“ gab er zu Protokoll. Mit dem Punktgewinn gelang es dem SSV, den Aufsteiger aus Baden auf Distanz zu halten und den sechsten Tabellenplatz zu halten. Während nächsten Samstag das Auswärtsspiel in Göppingen ansteht, freuen wir uns bereits darauf, am 16.10 die zweite Mannschaft des Karlsruher SC zu einem kleinen Südgipfel zu begrüßen.

 

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