SSV Reutlingen 1905 Fußball Archiv bis September 2017

Herber Rückschlag im Abstiegskampf

Mit einer schwachen Leistung gegen den Freiburger FC verspielt der SSV die Chance, eine kleine Vorentscheidung herbeizuführen. Stattdessen finden sich die Kicker von der Kreuzeiche nun nur noch einen Punkt vor den Breisgauern – und wieder mitten im Abstiegsstrudel.

Frustriert warf Trainer Jochen Claas nach etwas mehr als einer Stunde die Wasserflasche auf den Rasen innerhalb seiner Coaching-Zone. War es in diesem speziellen Fall der Ärger über eine unpopuläre Entscheidung des Referees, so fasst diese Szene doch die Emotionen auf Reutlinger Seite nach der 0:1 (0:0) Heimniederlage gegen den Freiburger FC gut zusammen. Ohne nominellen Stürmer gelang dem SSV Reutlingen kein erfolgreicher Torabschluss, was für Frust beim Trainer sorgt.

 

Gegen den schlechter platzierten Konkurrenten aus dem Breisgau war eigentlich ein Sieg eingeplant gewesen, doch fehlte es der Reutlinger Elf über weite Strecken an dem dafür nötigen Esprit.

 

In einer wenig aufregenden Anfangsphase konnte der SSV mehr Spielanteile für sich beanspruchen. Die defensiv agierenden Breisgauer ließen Reutlingen durchaus gewähren, doch auch die Heimmannschaft trat nicht restlos überzeugend auf –  beide Teams agierten aufgrund der Bedeutung der Partie eher gehemmt. In dieser frühen Phase war der SSV trotzdem die leicht überlegene Mannschaft und erarbeitete sich einige Chancen, die jedoch allesamt nichts einbrachten.

 

Eine dieser wenigen Chancen war der schöne Steilpass Eibergers in der 16.Minute, den Kovac aus spitzem Winkel auf den herausgestürmten Freiburger Torwart Kodric bringen konnte. In dieser Phase verpasste es der SSV, Kapital aus der passiven Spielweise der Gäste zu schlagen.

 

Diese erwachten nach gut 20 Minuten und konnten in der Folge selbst Nadelstiche setzen, die Reutlingens Hamrol in der 21. Und 27. stark vereiteln konnte. Wenn, dann kam der SSV Reutlingen über die tendenziell stärkere rechte Seite, konnte spielerisch aber keinen Weg zum Tor der Gäste finden. Kapitän Giuseppe Ricciardi durchbrach mit einem mächtigen Distanzschuss aus 30min den Abwehrriegel der Freiburger, doch der Gästekeeper konnte den Treffer in der 22.Minute verhindern. Anschließend an diesen aufregenden Abschnitt der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften im Mittelfeld und gingen mit einem 0:0 in die Pause. Pierre Eiberger hatte zuvor das Feld verletzungsbedingt räumen müssen, für ihn war in der 38.Minute Magnus Haas ins Spiel gekommen. Doch auch er hatte die immer stärker Unordnung und fehlende Struktur im Spiel der Hausherren nicht verhindern können.

 

Die Hoffnungen der Reutlinger Fans nach mehr Engagement ihrer Mannschaft und einem strukturierteren Spielaufbau schienen zu Beginn der zweiten Hälfte erfüllt zu weden. Kovac verpasste in der 50.Minute knapp eine Flanke von Seemann und damit die erneute Chance zur Führung. Doch nach der guten ersten Viertelstunde des zweiten Durchgangs verflachte das Spiel der Kicker von der Kreuzeiche wieder merklich. Der Gast aus dem sonnigen Breisgau kam so immer besser ins Spiel und der SSV öfters in Bedrängnis. Wiederum war es Kapitän Ricciardi, der mit einer Bogenlampe von der linken Strafraumecke für Gefahr im Freiburger 16m-Raum sorgte. In der 77.Minute war es dann geschehen – nach einem langen Abschlag und schöner Vorarbeit auf der linken Seite traf Michael Respondek für die Freiburger. Die Versuche des SSV, den Rückstand wieder wettzumachen, verpufften ohne Wirkung. Mangelnde Struktur und fehlender Einsatz wurden von den meisten der 762 Zuschauer moniert.

 

In der anschließenden Pressekonferenz zeigten sich gänzlich unterschiedliche Stimmungslagen bei den jeweiligen Trainern. Freiburgs Eckert lobte seine eigene Mannschaft und sah den Sieg der Breisgauer als durchaus verdient an. Er betonte auch die Drucksituation, in der sich die Spieler beider Mannschaften befinden würden. Beide „spielten“ keinen Fußball, sie seien zu angespannt. Man müsse Druck von den Akteuren nehmen – „Wir sind Oberliga, nicht mehr!“ hielt er zum Abschluss fest.

 

Claas hingegen ließ seinem Frust freien Lauf. „Unterirdisch“ beschreibe die Leistung heute ganz gut. In den kommenden Tagen sei es die Aufgabe, die Spieler wieder aufzurichten. Besonders schwer hätten die Verletzungen der Leistungsträger unter der Woche gewogen, diese hätten somit auch nicht ihre beste Leistung bringen können. Was ihn auch schon zum nächsten Punkt brachte. Er kritisierte die Kaderplanung – man hätte heute bereits das sechste Spiel in Folge ohne nominellen Stürmer bestreiten müssen. Dass ein Innenverteidiger als Stürmer spielen müsse, zeige die angespannte Personalsituation, die die Verletztenmisere im Sturm hinterlassen hat. Trotzdem habe er die Hoffnung, dass seine Spieler in Karlsruhe wieder Leistung finden würden.

 

Nach dieser unnötigen Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten liegt jetzt wieder viel Arbeit vor dem SSV. Es gilt nun, wieder den Fokus zu finden und den Klassenerhalt zu schaffen.