SSV Reutlingen 1905 Fußball Archiv bis September 2017

Das Wunder von Reutlingen!

Unser SSV hat es geschafft Fußballgeschichte zu schreiben! In einem atemberaubenden Spiel schlagen unsere Jungs die Zweitligakicker des Karslruher SC. Drei verwandelte Elfmeter von Kapitän Giuseppe Ricciardi, die man nicht abgezockter hätte schießen können, bescheren den Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Aber zurück zum Anfang. Man merkte schon vor dem Spiel allen SSVlern an, was für eine Begeisterung in dieser Stadt für den Fußball herrscht. Bereits 3 Stunden vor Spielbeginn war um das Kreuzeichestadion ein reges Treiben und jeder einzelne freute sich, unsere Jungs wieder auf der großen Bühne der deutschen Fußballlandschaft sehen zu dürfen. Von Beginn an herrschte eine tolle Stimmung im Stadion und die Besucher peitschten unsere Kreuzeichekicker nach vorne. Auf dem Platz sah man sofort, wie die Mannschaft von Trainer Georgi Donkov das Spiel gestalten wollte - defensiv stabil stehen und den Karlsruhern in der Mitte keine Räume geben, um dann über unseren pfeilschnellen Neuzugang Francis Ubabuike und den ebenfalls neu zum SSV gekommenen Daniel Schachtschneider immer wieder kleine Nadelstiche per Konter zu setzen. Und der Plan ging in der ersten Hälfte komplett auf. Der KSC schaffte es in der Anfangsphase nur einmal, die Abwehr etwas ins Wanken zu bringen, als nach einem Eckball der Ball hinter Denis Grgic im Kasten einschlug, das Tor aber nicht zählte, da sich der Karlsruher Spieler beim Kopfball aufstützte und das Tor zu Recht nicht gegeben wurde. Nach 13 Minuten war dann das komplette Stadion in Ekstase, Tom Schiffel setzte an der Mittellinie Daniel Gordon ganz stark unter Druck, schnappte sich die verunglückte Kopfballrückgabe und marschierte direkt auf die beiden Innenverteidiger zu in den Strafraum, vernaschte dort Manuel Gulde, zog an ihm vorbei und wurde beim Schussversuch gefoult. Schiedsrichter Robert Kempter zögerte keine Sekunde, zeigte direkt auf den Elfmeterpunkt und Griff in die Tasche, um Gulde mit Rot vom Platz zu stellen. Giuseppe Ricciardi nahm sich den Ball, und obwohl es gefühlt Stunden dauerte, bis er den Strafstoß endlich ausführen durfte, blieb unser Kapitän eiskalt, schoss das Leder ins rechte untere Eck! Nun hielt es im Stadion keinen mehr, alle lagen sich in den Armen. Gegen unsere tief stehende Mannschaft schaffte es der KSC auch in den folgenden 10 Minuten nicht, auch nur eine nennenswerte Chance heraus zu spielen. Im Gegenteil, nach einem schön vorgetragen Konter in der 25. Minute über Marc Golinski und Francis Ubabuike gab es Ecke für unsere Jungs. Der Eckball konnte zwar von der Karlsruher Verteidigung aus dem 16er geklärt werden, Golinski stand jedoch goldrichtig und fasste sich aus 16m Metern ein Herz, nur Gästekeeper Vollath konnte mit einer Glanzparade das 2:0 für den SSV verhindern, tauchte ab und lenkte den Ball an den Innenpfosten, von wo er wieder zurück ins Spielfeld prallte. In der 32. Minute folgte dann der zweite Streich. Einwurf für den SSV.  Tom Schiffel wirft punktgenau auf Schachtschneider, der behauptet den Ball am Straufraumeck gegen 2 Karslruher, dreht sich um den Gegenspieler, um in Richtung Torauslinie zu marschieren und wird dabei von Krebs ganz klar am linken Fuß getroffen. Und wieder gab es keine zwei Meinungen, klarer Elfer für den SSV. Und auch diesmal ließ Ricciardi Vollath absolut keine Chance, verlud den Keeper und verwandelte trocken ins linke Eck! Alle im Stadion flippten aus und jeder war sich bewusst, dass der SSV die Pokalsensation schaffen kann, auch wenn noch ein hartes Stück Arbeit vor der Mannschaft liegen würde. Bis zur Halbzeit verwaltete unser Team die 2:0 Führung souverän, stand hinten weiterhin kompakt und lies keine gegnerische Chance mehr zu.

 

 

Wahnsinn! Der SSV führte zur Halbzeit mit 2:0!

 

 

Zum Start der 2. Halbzeit merkte man den Karlsruhern an, dass die Ansprache in der Kabine wohl nicht ganz so ruhig war und man sich hier in Reutlingen keine Blamage leisten wollte, begann druckvoll und kam durch den eingewechselten Erwin Hoffer in der 46. Minute auch gleich zu der ersten Torchance. Doch unser Keeper Denis Grgic, der wieder mal einen Sahnetag erwischte, klärte in höchster Not. Bei den Gästen aus Baden lagen die Nerven nun blank, was sich auch auf dem Spielfeld zeigte, in der 51. Minute lief Schachtschneider mit dem Ball am Fuß an der rechten Außenlinie, Daniel Gordon grätscht den Ball sauber ins Seitenaus und bringt ihn dabei zu Fall. Was dann kommt, grenzt schon an eine Körperverletzung. Gordon tritt unserem am Boden liegenden Stürmer mit voller Absicht auf die Wade - klare Tätlichkeit des Innenverteidigers und auch hier zurecht die rote Karte! 53 Minuten gespielt, 2:0 Führung und doppelte Überzahl! Spätestens jetzt war jedem im Stadion klar, dass der SSV kurz vor der Sensation steht. In der 54. Minute wurde dann auch noch der Gästetrainer Kauczinski vom Unparteiischen in die Katakomben geschickt. Aber zurück zum Sportlichen - der KSC schaffte es jetzt zu neunt den SSV immer mehr in die eigene Hälfte zu drücken, auch weil unsere Jungs nicht mehr ganz umsetzen konnten, was man sich für die 2. Halbzeit vorgenommen hatte, wie Trainer Georgi Donkov nach dem Spiel auf der PK sagt. Man konnte die Bälle nicht mehr halten und wie geplant das Spiel in die Breite ziehen. In der 63. Minute war dann auch Denis Grgic nach einem Eckball das erste und einzige Mal geschlagen. Nachdem er zweimal sensationell gegen Peitz und Hoffer parieren konnte, war er gegen den 2. Nachschuss von Kempe chancenlos. Nur noch 2:1 für den SSV, es wurde noch einmal spannend. Die Zuschauer feuerten unsere Jungs aber weiterhin sagenhaft an! In der 75. Minute musste Grgic dann erneut all sein Können aufzeigen. Nach einer scharf herein gegeben Flanke, die Hoffer 3 Meter vor dem Tor per Flugkopfball auf das Reutlinger Tor brachte, stand unser Keeper goldrichtig und hielt damit die Führung fest. Der SSV stand jetzt noch tiefer und verteidigte den eigenen Strafraum ganz stark. Auch wenn der Druck immer größer wurde, schaffte man es, den Gegner meist aus dem eigenen 16er zu halten. Und dann wurde es in der 83. Minute doch noch mal durch einen Freistoß an der rechten Strafraumkante des eigenen Strafraums gefährlich. Goalgetter Hennings zirkelte den Ball um die Mauer, aber wieder war Teufelskerl Denis Grgic zur Stelle und fischte den Ball aus dem unteren Eck! Wieder eine Wahnsinns-Parade unseres Keepers! In der 91. Minute dann die Entscheidung. Nach einem Konter über Marc Golinski landet der Ball bei Schachtschneider, der frei vor dem Tor steht. Wieder wird er im Strafraum rüde gefoult, erneut gibt es Elfmeter für den SSV und Dehm fliegt als dritter Gästespieler mit Rot vom Platz. Capitano Ricciardi auch diesmal unbeeindruckt, verlädt den Keeper erneut und schiebt dann den Ball links unten ein! Unglaublich! Unser SSV führte in der 91. Minute mit 3:1! Als Schiedsrichter Robert Kempter kurz darauf abpfiff, gab es kein Halten mehr! Das komplette Kreuzeichestadion flippte aus! Minutenlang stimmten die Zuschauer ein „Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön. Sowas hat man lange nicht geseh´n, so schön, so schön“ an und feierten gemeinsam mit der Mannschaft den grandiosen Erfolg!

 

 

Somit steht der SSV Reutlingen durch eine geschlossene Mannschaftsleistung das erste Mal seit der Saison 2002/2003 in der 2. Runde des DFB-Pokals! Diese wird am kommenden Freitag nach der Saisoneröffnung der 1. Bundesliga und des Spiels FC Bayern gegen den Hamburger SV ausgelost. Ausgetragen wird die 2. Runde am Dienstag, den 27.10.15, sowie am Mittwoch, den 28.10.15.

 

 

Aufstellungen

SSV: Grgic, Schiffel, Wiesner, Haas, Gleißner, Golinski, Maier, Schachtschneider, Hartmann, Ricciardi, Ubabuike

Ersatzspieler: Wohlfahrt, Frölich, Schall, Bennardo, Galic, Heim, Seemann

 

 

KSC: Vollath, Gordon, Kempe, Yamada, Nazarov, Gulde, Hennings, Torres Jimenez, Krebs, Meffert, Dehm

Ersatzspieler: Orlishausen, Hoffer, Peitz, Barry, Mehlem, Sallahi, Thoelke

 

 

Schiedrichter: Michael Kempter 

Assistenten:  Marcel Schütz/Florian Götte

 

Tore: 1:0, 2:0, 3:1 Ricciardi - 2:1 Kempe

 

Einwechslungen: Frölich für Wiesner (70.), Heim für Gleißner (73.), Seemann für Ubabuike (85.) - Thoelke für Nazarov (15.), Hoffer für Torres (39.), Peitz für Krebs (56.)

 

 

gelbe Karten: Ubabuike, Maier, Ricciardi – Thoelke, Meffert, Peitz, Vollath

rote Karten: - Gulde, Gordon, Dehm

Zuschauer: 8166

 

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